Dresden 1945 – eine Vergangenheit, die mir fast keine Zukunft bescherte

Wie jedes Jahr gedenken viele der Nacht vom 13. auf den 14. Februar 1945, als Dresden von den Engländern bombardiert wurde. Die Nacht, als Dresden voller Flüchtlinge war, Unschuldige. Die Nacht, die wie ein kalter Vergeltungsschlag am Ende des 2. Weltkriegs wirkt. Und die Nacht, in der ich fast keine Zukunft hatte.

Dresden 1945 - eine Vergangenheit, die mir fast keine Zukunft bescherte

Credits: Bundesarchiv, Bild 183-Z0309-310 / CC-BY-SA

Meine Familie väterlicherseits ist sorbischen Ursprungs, lebte im Teil der Lausitz, der heute zu Polen gehört. Als die Russischen Truppen näher rückten, mein Großvater an der Front war, musste meine Großmutter allein mit den 3 Kindern fliehen. Nur das Nötigste in einem Bollerwagen gepackt, das gute Geschirr im Garten vergraben – denn die Hoffnung, man käme zurück, starb bekanntlich zuletzt – und so machte sie sich mit meiner Tante (damals gerade 15), meinem Onkel (damals knapp 9) und meinem Vati (keine 4 Jahre) auf Richtung Thüringen, wo ihre Familie ursprünglich herkam. Wann genau dieser kleine Tross in Dresden eintraf, weiß ich leider nicht. Doch kamen sie bei einer Cousine meiner Großmutter unter.

Meine Großmutter schien eine Vorahnung zu haben, denn in der Nacht vom 13. auf den 14. Februar 1945 verließ sie mit den Kindern Dresden – und sah es brennen. Der komplette Straßenzug, in dem meine Cousine meiner Familie Unterschlupf gewährte, stand anschließend nicht mehr, auf die Grundmauern niedergebrannt. Wie genau sich das alles abgespielt hat, kann ich nicht sagen, nicht beurteilen, ob dies alles exakt so der Wahrheit entspricht. Doch die Vorahnung bzw. die Entscheidung meiner Großmutter hat meinen Vati am Leben erhalten und somit meine Zukunft gerettet.

Leider kann ich nach dem genauen Hergang der Nacht meine Großmutter nicht befragen und ich bin mir nicht sicher, ob meine Tante (wird dieses Jahr 84) bereit wäre, ihr Wissen aus dieser Nacht zu teilen. Andererseits ist sie noch Teil dieser Geschichte und allzuviel Zeit wird mir nicht mehr bleiben, mehr über meine Familie zu erfahren und sie ist die Einzige, die mir noch Antworten geben kann.

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One thought on “Dresden 1945 – eine Vergangenheit, die mir fast keine Zukunft bescherte

  1. jke 14. Februar 2012 um 13:12 Reply

    Wenn die das noch teilen kann, dann schnell alles aufschreiben! Lohnt sich wirklich sehr.
    Ich habe mir letztens den genauen Bericht meiner Tante durchgelesen, wie sie die Vertreibung ’45 (Sudetendeutschland, auch die Tour mitm Bollerwagen und dem „Stoppeln“ nach Essen) erlebt hat. Das ist schon sehr prägend und erklärt dann auch die unterschiedlichen Verhaltensweisen nachm Krieg (~Konfliktbereitschaft, Bereitschaft zum Genuss vs. Leistung bringen, etc.).

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